Ein besonderer Trainer

Am letzten Wochenende begeisterte Fritz Oblinger, 9. Dan Karate, endlich wieder mit einem Lehrgang die Karate-Abteilung des TSV Grünwald e. V.. Drei Jahre hatten die Karatekas des Grünwalder Vereins ihren populärsten Trainer wegen der Pandemie vermisst. Fünfzig Teilnehmer aus Bayern reisten daher am Samstag an, um von einem der höchsten Dan-Träger in Deutschland zu lernen. Fritz Oblinger hatte sich vorgenommen, die Karatekas in drei verschiedenen Kampfsystemen zu unterrichten. Jedes für sich ein System, das sich für eine effektive Selbstverteidigung eignet.

Bereits die erste von vier Trainingseinheiten war am Samstagmorgen gut besucht. Kinder, Jugendliche und Erwachsene – bis weit über sechzig Jahre alt – verfolgten Fritz Oblinger, wie er das erste Kampfsystem der Grundschule aufschlüsselte. Diese Systeme heißen im Karate „Katas“. Bis zum ersten Schwarzgurt müssen alle Karatekas ein Dutzend dieser Katas lernen und beherrschen.

Die erste Trainingsgruppe beschäftigte sich mit einer besonderen Form einer Grundschul-Kata. Sie wird „Heian Yondan Renshuho“ genannt. Neben dem technischen Ablauf vermittelte ihnen Fritz Oblinger, wie die Techniken zur schnörkellosen Selbstverteidigung angewendet werden können. In neunzig Minuten übten die Partner miteinander, wie nah sie zueinander stehen müssen, um sich effizient gegen einen Gegner zu wehren. Dazu gehörten verschiedene Ansätze, um sich z. B. in mehrere Richtungen schnell und plötzlich zu bewegen. Sie lernten, auf die richtige Distanz zu achten oder an den Trainingspartner heranzurücken. Zur Abwehr zogen sie sich wieder zurück oder schlossen mit einem Gegenangriff ab. Wie immer achtete Fritz Oblinger besonders auf exakte Techniken.

Über die aufmerksame Betreuung durch ihren Lehrer waren alle sehr dankbar. Die Altersgruppen lernten schnell dazu, da er Fehler korrigierte, Tipps für bessere Bewegungsmuster und unzählige Einzelhilfen gab. Egal ob es Anfänger oder Fortgeschrittene, junge Karatekas oder ältere Sportler waren, Fritz Oblinger war unentwegt in der Halle unterwegs, um mit Ratschlägen zur Seite zu stehen. Geduldig und aufmerksam gab er sein großes Wissen weiter. Von den Teilnehmern erhielt er dafür in den anderthalb Stunden sehr viel Anerkennung.

Auch in den nächsten drei Einheiten, die immerhin noch viereinhalb Stunden andauerten, lehrte Fritz Oblinger mit ungebrochenem Engagement weiter. Es änderten sich nur die Kampfsysteme (Katas) und deren Anwendungen. Die Schwarzgurte beschäftigten sich drei Stunden lang mit der „Taikyoku Sandan“ und „Taikyoku Nidan“. Diese selten studierten Katas erschlossen eine breite Palette an wirkungsvollen Reaktionen auf Angriffe. Die Sportler trainierten Selbstverteidigung unter vielen neuen Blickpunkten.

Hier schöpfte Fritz Oblinger aus seinem umfassenden Wissen über Karate. Er zeigte die Vielfältigkeit dieser Kampfkunst. Die unterschiedlichen Aspekte, die er vermittelte, kommen zum Teil aus dem „Budo Studien Kreis“. Diese Gemeinschaft hoher Dan-Träger durchforscht seit Jahren Kampfkunstkonzepte. Jene beruhen auf den Grundlagen von Funakoshi Gichin, dem Gründer des modernen Karate in Japan. Fritz Oblinger demonstrierte, wie durch gezielte Bewegungen Energie und Kraft gewonnen wird. Er wies auf die richtige Körperhaltung und Stellung zum Gegner hin, falls man sich im Notfall wehren muss. Es fielen Schlagworte wie „schlecht bei einem Angriff auf der Straße“ und „energiegeladene Stände im Kampf, auf die wir achten sollen“.

Wie immer ging unser Lehrgang nach der Flut von Selbstverteidigungstechniken am letzten Samstag nicht zu Ende. Denn für viele beginnt in den nächsten Wochen die Aufbereitung dieses Kurses. Die neuen Erkenntnisse müssen verarbeitet und in das wöchentliche Training integriert werden. In 2023, am 22. April, wollen sie gut vorbereitet sein, wenn die Karate-Abteilung Fritz Oblinger erneut beim TSV Grünwald e. V. begrüßen wird.

Peter Henkel

Fritz Oblinger demonstriert eine Übung

(Foto: Christian Killer)

Erschienen:

  • BKB Homepgege, 05.04.2022
  • Grünwalder Isar-Anzeiger 07.04.2022