„Weglaufen und Schreien ist die beste Art sich zu verteidigen“ war die erste Empfehlung von Peter Henkel, 2. Dan Karate und Trainer bei der Karateabteilung des TSV Grünwald, den er den Teilnehmern des zweiten Selbstverteidigungskurses beim TSV Grünwald am vergangenen Samstag schon gleich am Anfang auf den Weg gab. Weglaufen und Schreien ist aber gar nicht so einfach, denn es gehört schon etwas Mut dazu. Doch nach einer kleinen Übung war das Eis gebrochen und die 13 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen beteiligten sich interessiert, aufmerksam und aktiv am weiteren Kursgeschehen.
Gerade aus seiner langjährigen Erfahrung als Karateka weiß Peter Henkel, dass Kampfsport, aber auch Kampfkunst (Martial Arts) langjähriges und vor allem zielgerichtetes Training benötigen um im Falle der Selbstverteidigung effektiv angewendet werden zu können. Das kann man in einem halbtägigen Kurs nicht vermitteln. Stattdessen zeigte der Dipl. Psychologe anhand der möglichen Tätergruppen und deren Vorgehensweisen auf, wie man die Situation möglichst früh entschärfen kann, noch bevor ein Angriff stattfindet. „Wir schulen unsere Mitarbeiter darauf, möglichst früh aus der Aggressionsspirale auszusteigen“, erklärt Peter Henkel anhand seiner Erfahrungen am Arbeitsplatz, „seitdem haben wir keine Verletzten mehr.“
Doch dies alles hilft nichts, wenn das eigentliche Ziel des Angreifers eben genau der Kampf ist. In weiteren praktischen Übungen lernten die Teilnehmer zu erkennen, wann ein Angriff unvermeidbar ist, und wie sie die Initiative übernehmen können, um der Situation schnellstmöglich zu entkommen: „Hit and Run!“ Ob Greifen, Klammern, Würgen oder am Boden festhalten, für jede Situation wurden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt sich zu befreien. Komplizierte Griffe, Hebel oder Bewegungen waren nicht nötig, oft reichte es schon sich eine Alltagsbewegung zu merken, beispielsweise den Griff nach einer Flasche Wasser.
„Das Wichtigste ist, dass man etwas macht“, gab Peter Henkel den Teilnehmern noch mit auf den Weg, „egal ob es richtig oder falsch ist. Schlecht ist nur, wenn man gar nichts macht. Verletzt wird man wahrscheinlich immer, aber die Wahrscheinlichkeit entführt oder vergewaltigt zu werden sinkt gewaltig.“
Max Obermaier
Erschienen:
- Grünwalder Isar-Anzeiger, 10. Mai 2013